Warum beschlossen die Wikingerkönige, zum Christentum zu konvertieren?
Das Wichtigste in Kürze
- Die Wikingerkönige traten vor allem aus politischen Gründen zum Christentum über: für Bündnisse, Schutz vor mächtigen Nachbarn und eine feste Königsherrschaft.
- Der erste bekannte Fall ist Harald Klak, der sich 826 im Frankenreich taufen ließ, weil er Hilfe gegen seinen Rivalen brauchte.
- Auf dem großen Runenstein von Jelling rühmt sich Harald Blauzahn um 965, er habe die Dänen zu Christen gemacht.
- Händler konnten sich mit dem Kreuz zeichnen lassen, ohne getauft zu sein. Die Egils Saga beschreibt das als üblichen Brauch.
- Eine Gussform aus Trendgården diente zugleich für Kreuze und Thorshämmer. Der Übergang war ein langer Prozess, kein einzelner Tag.
Warum wurden die Wikingerkönige Christen? Selten aus einer plötzlichen Erleuchtung, wie es die späteren Heiligenlegenden gern erzählen. Meistens stand dahinter ein handfestes Interesse: ein Bündnis mit dem Kaiser, Frieden mit einem starken Nachbarn oder eine neue Art, den Thron abzusichern. Wir zeigen dir die wichtigsten Könige, was die Runensteine dazu sagen und welche beliebten Geschichten sich nicht halten lassen.
Inhalt: Warum? · Die Anfänge · Dänemark · Norwegen · Schweden · Island · Handel · Hammer und Kreuz · Faktencheck · Schmuck · Häufige Fragen
Warum konvertierten die Wikingerkönige zum Christentum?

Die Könige konvertierten vor allem, weil der neue Glaube ihnen Bündnisse, Frieden mit christlichen Nachbarn und mehr Macht im eigenen Land versprach. Eine Bekehrung konnte rein politisch sein, um eine Allianz zu sichern oder einen Angriff abzuwenden. Danach bauten die Könige Kirchen und Bistümer auf und entwickelten ein christliches Königtum. So zeigen es die Überblicksdarstellungen zur Christianisierung Skandinaviens.
Die Tabelle ordnet die bekanntesten Fälle ein:
| Herrscher | Wann | Anlass laut den Quellen |
|---|---|---|
| Harald Klak, Dänemark | 826 | Hilfe des Kaisers gegen seine Rivalen, dazu Land in Friesland |
| Rollo, Normandie | 911 oder 912 | Teil des Vertrags, der ihm Land sicherte |
| Harald Blauzahn, Dänemark | um 965 | Friedensschluss mit dem Kaiser oder das Wunder des Priesters Poppo, je nach Quelle |
| Olaf Tryggvason, Norwegen | vor 995 | Laut Saga eine Weissagung auf den Scilly-Inseln |
| Olaf Haraldsson, Norwegen | vor 1015 | Taufe in Rouen beim Herzog der Normandie auf dem Weg zum Thron |
| Olof Skötkonung, Schweden | um 1000 | Unklar, Taufe laut späterer Chronik in Husaby |
Wie kam das Christentum zu den Wikingern?

Das Christentum kam über Missionare, Gefangene und die Raubzüge selbst in den Norden. Der erste bekannte Versuch geht auf Willibrord zurück, der zwischen 710 und 718 zum Dänenkönig Ongendus reiste. Der empfing ihn höflich, blieb aber bei seinem Glauben. 826 ließ sich dann Harald Klak mit vielen Dänen taufen, die Quellen nennen Mainz oder Ingelheim. Er war vertrieben worden und brauchte Kaiser Ludwig den Frommen. Mit ihm reiste der Mönch Ansgar in den Norden.
Ansgar kam auch nach Birka in Schweden. Sein Nachfolger Rimbert berichtet in der Lebensbeschreibung, dort hätten christliche Gefangene die Messe mitgefeiert, und Herigar, Vorsteher der Stadt und Ratgeber des Königs, habe sich taufen lassen und auf eigenem Land eine Kirche gebaut. Die Mission blieb aber wackelig: 845 zerstörten Dänen Hamburg, im selben Jahr vertrieb ein Aufstand in Birka den Bischof Gautbert.
Mindestens so wichtig waren die Raubzüge. Christliche Sklaven und Ehefrauen, die die Krieger heimbrachten, sorgten dafür, dass viele Dänen erstmals überhaupt mit Christen zusammenlebten. Über die Frauen in der Wikingerzeit erfährst du mehr unter Wikinger Frauen.
Was sagt der Jelling-Stein über Harald Blauzahn?
Der große Runenstein von Jelling sagt, Harald habe Dänemark und Norwegen gewonnen und die Dänen zu Christen gemacht. Er ließ ihn um 965 für seine Eltern Gorm und Thyra aufstellen, zusammen mit einer Darstellung des gekreuzigten Christus. Der Kunsthistoriker Rudolf Broby-Johansen prägte dafür den Namen „Dänemarks Taufschein“. Seit 1994 gehören die Steine mit den Grabhügeln und der Kirche zum UNESCO-Welterbe.
Warum Harald sich taufen ließ, erzählen die Quellen ganz unterschiedlich. Der Zeitgenosse Widukind von Corvey schreibt, ein Kleriker namens Poppa habe ein glühendes Eisen getragen, ohne sich zu verbrennen. Adam von Bremen behauptet rund hundert Jahre später, Kaiser Otto I. habe ihn nach einer Niederlage gezwungen. Widukind weiß davon nichts. Und schon Saxo Grammaticus überträgt das Wunder auf Haralds Sohn Sven. Mehr über den König findest du unter Harald Blauzahn.
Wie wurde Norwegen christlich?

Norwegen wurde vor allem durch Könige christlich, die im Ausland getauft worden waren und den Glauben zu Hause mit Druck durchsetzten. Hakon der Gute, in England aufgewachsen, hatte im 10. Jahrhundert wenig Erfolg damit. Nach ihm stellte Jarl Hakon Sigurdsson die alten Tempel wieder her.
Olaf Tryggvason, König von 995 bis 1000, ging mit Gewalt vor. 991 hatte er noch England mit überfallen. Die Saga lässt seine Bekehrung auf den Scilly-Inseln durch einen Seher geschehen, Historiker sehen das mit Vorsicht. Der wichtigere Name ist Olaf Haraldsson, König von 1015 bis 1028. Er wurde in Rouen getauft und fiel am 29. Juli 1030 bei Stiklestad. Schon ein Jahr später sprach ihn Bischof Grimketel heilig, und sein Kult festigte die Christianisierung des Landes. Ob er 1024 wirklich ein christliches Recht einführte, ist laut der gelesenen Darstellung nicht sicher.
Interessant ist ein Einwand des Historikers Anders Winroth: In seinem Buch The Conversion of Scandinavia spricht er von einem langen Prozess, in dem Skandinavier einzelne christliche Bräuche nacheinander übernahmen. Das Bild vom König, der sein Volk mit einem Schlag bekehrt, stammt aus späteren Quellen.
Wann wurde Schweden christlich?
Schweden wurde spät und langsam christlich, obwohl die Mission dort schon um 830 begann. Olof Skötkonung gilt als der erste schwedische König, der bis zum Tod Christ blieb. Eine Chronik aus dem westgötischen Gesetz von etwa 1240 berichtet, der Missionar Sigfrid habe ihn in Husaby getauft, aber die genauen Umstände sind unklar. Das eigene Erzbistum bekam Schweden erst 1164, nach Dänemark 1104 und Norwegen 1154.
Warum nahm Island das Christentum per Beschluss an?
Island nahm das Christentum an, um die Spaltung des Landes zu beenden und dem Druck aus Norwegen zu entgehen. Unter König Olaf Tryggvason spitzte sich der Streit zu, beide Lager standen sich auf dem Althing gegenüber. Im Jahr 1000, manche Historiker sagen 999, überließ man die Entscheidung dem heidnischen Gesetzessprecher Thorgeir. Sein Spruch lautete: ein Gesetz und eine Religion, nämlich die christliche.
Der Kompromiss ist das eigentlich Spannende. Laut dem Íslendingabók von Ari Thorgilsson durften die Isländer zunächst weiter Pferdefleisch essen und Kinder aussetzen, und heidnische Opfer blieben im Privaten erlaubt. Später fielen auch diese Ausnahmen weg, private Verehrung hielt sich aber wohl noch lange. Mehr zu den Siedlern im Nordatlantik liest du bei Erik dem Roten.
Mussten Wikinger Christen werden, um Handel zu treiben?
Nein, denn für Kaufleute gab es eine Zwischenlösung, die erste Zeichnung mit dem Kreuz, in der englischen Sagaübersetzung „prime-signing“ genannt. Die Egils Saga beschreibt in Kapitel 50, wie König Athelstan von England die Brüder Thorolf und Egil darum bat. Das sei ein verbreiteter Brauch bei Kaufleuten und Söldnern gewesen, denn so „gezeichnete“ Männer konnten mit Christen und Heiden gleichermaßen verkehren und dennoch bei ihrem Glauben bleiben.
Die Stelle stammt aus einer viel später aufgeschriebenen Saga und ist also mit Vorsicht zu lesen. Eine ältere Fassung dieses Artikels behauptete, Christen hätten nur mit Christen gehandelt. So pauschal stimmt das nicht, schon die Saga widerspricht dem. Außerdem handelten Wikinger im Osten mit arabischen und byzantinischen Kaufleuten. Wie Wikinger gereist sind, erklärt Wikingerschiffe.
Trugen Wikinger Hammer und Kreuz zugleich?
Manche wohl schon, jedenfalls entstanden beide Anhänger in derselben Gussform. Das bekannteste Stück ist die Gussform von Trendgården in Nordjütland, ein Speckstein aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, heute im Dänischen Nationalmuseum. Sie diente für Thorshämmer und Kreuze.
Rund 1.000 Thorshämmer sind bekannt, besonders aus Frauengräbern. Der Archäologe Jörn Stäcker setzt den Wechsel zum Kreuz in Dänemark um 1000, in Schweden zwischen 950 und 1000 und auf Gotland erst um 1100 an. Viele Forscher sehen die Hämmer des 10. Jahrhunderts als Gegenstück zum christlichen Kreuz. Mehr über das Symbol selbst erfährst du unter Mjölnir, der Hammer von Thor.
Oft liest du, Wikinger hätten ihren Hammer als Kreuz getarnt, um Christen zu täuschen. Eine Quelle dafür konnten wir nicht finden. Die Gussform belegt nur, dass Handwerker beide Motive anboten.
Saga, Serie oder Internet: Was stimmt über die Bekehrung?
| Behauptung | Stimmt das? |
|---|---|
| Wikingerkönige wurden gewählt wie Geschäftsführer | Dieser Vergleich aus unserer alten Fassung ließ sich in keiner gelesenen Quelle stützen. |
| Christen handelten nur mit Christen | Nein. Die Egils Saga beschreibt den Handel mit Heiden nach einer ersten Zeichnung mit dem Kreuz. |
| Hammerketten waren als Kreuz getarnt | Nicht belegt. Hammer und Kreuz kamen aber aus derselben Gussform. |
| Frauen drängten besonders aufs Christentum | In den gelesenen Quellen nicht allgemein belegt, darum haben wir das gestrichen. |
| Die Könige regierten im Schnitt 10 Jahre | Dafür fanden wir keine Quelle. Harald Blauzahn herrschte etwa von 958 bis 986. |
| Mit dem Runenstein war Dänemark christlich | Nein. Er zeigt, was Harald beanspruchte. Den Wechsel vom Hammer zum Kreuz setzt Stäcker in Dänemark erst um 1000 an. |
Welcher Schmuck passt zum Thema Wikinger und Christentum?
Am besten passt der Thorshammer, denn genau dieses Symbol stand in der Zeit der Bekehrung neben dem Kreuz. Die Stücke sind moderner Schmuck in der Tradition des Motivs und keine Kopien von Funden.

Herren-Halskette mit Thors Hammer
Ein schlichter Hammer mit dunkler Optik an einer kräftigen Kette.
Kette ansehen →Weitere Stücke findest du unter Wikinger Halsketten und Wikinger Schmuck.
Häufige Fragen zum Christentum bei den Wikingern
Warum wurden die Wikinger Christen?
Die Könige versprachen sich davon Bündnisse, Frieden mit christlichen Nachbarn und eine stärkere Herrschaft. Für das Volk zogen sich Kontakte durch Raubzüge, Handel und Mission über Generationen hin.
Welcher Wikingerkönig wurde zuerst Christ?
Der erste bekannte ist der Däne Harald Klak, der sich 826 im Frankenreich taufen ließ. Er brauchte die Hilfe Kaiser Ludwigs des Frommen gegen seine Rivalen, konnte sich zu Hause aber nicht halten.
Wann wurde Dänemark christlich?
Als Datum gilt die Zeit um 965, als Harald Blauzahn auf dem Runenstein von Jelling erklärte, er habe die Dänen zu Christen gemacht. Tatsächlich dauerte der Wandel länger, das Erzbistum kam 1104.
Glaubten die Wikinger gleichzeitig an Thor und Christus?
Manche wohl schon. Eine Gussform aus Trendgården in Dänemark diente für Thorshämmer und Kreuze, beide Anhänger gab es also nebeneinander. In Island blieb heidnische Verehrung privat zunächst erlaubt.
Was bedeutet die Zeichnung mit dem Kreuz?
Laut Egils Saga, Kapitel 50, ließen sich Kaufleute und Söldner mit dem Kreuz zeichnen. So konnten sie mit Christen und Heiden zugleich Umgang haben und trotzdem bei ihrem Glauben bleiben.
Wie wurde Island christlich?
Im Jahr 1000, manche sagen 999, entschied der heidnische Gesetzessprecher Thorgeir auf dem Althing für das Christentum. Dafür gab es Zugeständnisse, darunter Pferdefleisch und private heidnische Verehrung.
Quellen und weiterführende Links
- Egil's Saga, Kapitel 50, englische Übersetzung, Icelandic Saga Database
- Rimbert, Anskar, the Apostle of the North, Medieval Sourcebook, Fordham University
- Thorshammer, Lex (dänische Enzyklopädie, Gussform von Trendgården)
- Thor's Hammer, Medieval Histories (mit Stäcker)
- Christianization of Scandinavia, englische Wikipedia
- Harald Bluetooth, englische Wikipedia (Widukind, Adam, Saxo)
- Jelling stones, englische Wikipedia
- Harald Klak, englische Wikipedia
- Olaf II of Norway, englische Wikipedia (Winroth)
- Christianisation of Iceland, englische Wikipedia
Weiterlesen: Harald Blauzahn · Mjölnir, der Hammer von Thor · Die Wikinger in der Normandie



















