Opfer in Seen: Schwert und Silberarmring werden in einen nebligen See gelegt

Warum brachten die Wikinger Opfer in Seen?

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Wikingerzeit landeten Waffen, Schmuck und Werkzeuge in Seen, Mooren und Flüssen. Die Forschung deutet das meist als rituelle Niederlegung.
  • Warum sie das taten, schreibt uns kein Wikinger. Alle Gründe sind Deutungen aus Funden und späteren Texten.
  • Der Tissø auf Seeland ist der bekannteste Fall: rund 50 Objekte im See, daneben ein großer Herrenhof.
  • Die Skuldelev-Schiffe waren kein Opfer. Sie wurden um 1060 bis 1070 als Sperre versenkt.
  • Die Erklärung mit den Grabräubern aus unserem alten Text ließ sich nicht belegen. Sie ist gestrichen.

Warum brachten die Wikinger Opfer in Seen? Sicher wissen wir es nicht, denn aus ihrer Zeit gibt es keine Erklärung. Die Funde beweisen allerdings, dass sie wertvolle Dinge absichtlich ins Wasser gaben, oft bessere als in den Gräbern derselben Zeit. Die Forschung hat dafür gute Vermutungen, vor allem die Archäologin Julie Lund, auf deren Arbeiten sich dieser Text stützt. Hier liest du, was gefunden wurde, was die Forscher daraus schließen und welche alten Behauptungen wir korrigiert haben.

Inhalt: Funde · Mögliche Gründe · Der Tissø · Skuldelev · Ältere Vorbilder · Götter des Meeres · Faktencheck · Schmuck · Häufige Fragen

Was haben die Wikinger in Seen versenkt?

Vor allem Waffen und Schmuck, dazu Werkzeuge, Schlüssel, Wetzsteine, Münzen und andere Dinge aus Edelmetall, ganz oder in Stücken. So fasst es Julie Lund 2017 in der Fachzeitschrift Archaeological Dialogues zusammen. Lange galt, dass solche Niederlegungen im 6. Jahrhundert aufhörten. Heute weiß man, dass ihre Zahl in der Wikingerzeit wieder deutlich stieg. Ein paar Zahlen aus ihrem Aufsatz:

Fundort Objekte
Die meisten Fundstellen in Südskandinavien nur 1 bis 3
Råbelöv Sjö (Schonen) 35
Tissø (Seeland) 50
Gudingsåkrarna (Gotland) rund 500

In ihrem Aufsatz von 2004 in der dänischen Zeitschrift Kuml nennt Lund als Seen außerdem Näsbyholm Sjö in Schonen, wo Äxte aus dem 9. bis 12. Jahrhundert lagen, sowie Søborg Sø und Højby Sø. Daneben gibt es Flüsse wie die Værebro Å und Moore wie Borremosen auf Møn. Seen sind also nur ein Teil des Bildes.

Woher weiß man, dass das keine verlorenen Dinge sind? Ein Beispiel ist die Værebro Å. Die Waffen dort galten als Reste einer Schlacht von 1133. Die meisten stammen aber aus dem 10. Jahrhundert, und dazwischen lagen Schmuck und Werkzeug, was zu keiner Schlacht passt. Hinzu kommt die Qualität: In Schonen und Dänemark liegen in Feuchtgebieten mehr und bessere Waffen als in den Gräbern derselben Zeit. Wer so etwas ins Wasser wirft, tut das kaum aus Versehen.

Warum gerade ins Wasser?

Die Gründe kennen wir nicht aus erster Hand, die Forschung nennt aber einige plausible. Lies die folgenden Punkte also als Deutungen und nicht als Tatsachen:

  • Fahrten übers Meer: Lund verbindet die Waffen mit Auslandsfahrten, weil viele in Häfen und Flussmündungen liegen und oft auch an Brücken und Furten. Das sind Stellen, an denen man ankam oder aufbrach. Auch im Ausland, wo Skandinavier länger blieben, fanden sich viele Waffen im Wasser.
  • Das Wasser und die Totenwelt: Die Völuspá (Strophe 36, je nach Ausgabe) kennt einen Fluss Slíð, der Schwerter und Saxe führt, und nach den Grímnismál fallen manche Flüsse hinab zu Hel. Lund zieht diese Stellen als Vergleich heran.
  • Beseelte Dinge: Lund hält es für möglich, dass manche Waffen und Schmuckstücke als lebendig galten. In den Sagas haben sie Namen und einen eigenen Willen, und solche Stücke wurden auch sonst besonders behandelt.

Die Erklärung aus unserem alten Text, die Wikinger hätten dem Wasser geopfert, um Grabräuber abzuhalten, haben wir in keiner Quelle gefunden. Bekannt ist nur, dass große Grabhügel wie Oseberg und Gokstad schon in der Wikingerzeit wieder geöffnet wurden. Lund deutet das als mögliche rituelle Handlung, einen Zusammenhang mit Opfern im See stellt sie nicht her. Auch der Satz, die Wikinger hätten Tote nur mit Waffen begraben, damit sie sich im Jenseits verteidigen könnten, bleibt ohne Beleg. Was man über Gräber wirklich weiß, steht unter Bestattungsriten der Wikinger.

Was wurde am Tissø gefunden?

Im und am Tissø fanden sich Opfergaben aus Eisenzeit und Wikingerzeit und daneben ein großer Herrensitz. Der See auf Westseeland ist mit 12,3 Quadratkilometern der viertgrößte Süßwassersee Dänemarks. Im Jahr 1976 kam dort beim Pflügen ein goldener Halsring aus dem 10. Jahrhundert zutage, 1,83 Kilogramm schwer und einer der größten Goldfunde des Landes. Das löste Grabungen aus: Von 1995 bis 2003 legte man bei Kalmargården eine Anlage von rund 50 Hektar frei, mit einer Halle von 12 mal 48 Metern und Bauten, die man als Kultbauten deutet.

Ist der See dem Gott Tyr geweiht? Unser alter Text sagte das klar, und das geht zu weit. Der Name ist schwierig: Er kann „Tyrs See“ heißen oder einfach „See des Gottes“, denn ti ist auch ein altes Wort für Gott. Möglich ist sogar „Tyrs Insel“, bezogen auf die Stelle am Ufer. Dass der Ort eine religiöse Bedeutung hatte, ist unbestritten, welcher Gott gemeint war, nicht. Wir stützen uns hier auf die englische Wikipedia und ihre Belege, die Seite des Dänischen Nationalmuseums war bei unserer Prüfung nicht erreichbar. Mehr zu Kultorten liest du unter Wikingertempel und heilige Räume.

Waren die Skuldelev-Schiffe ein Opfer?

Nein, die Skuldelev-Schiffe waren eine Sperre gegen Angreifer oder zur Kontrolle des Verkehrs. Unser alter Text führte sie als Beispiel für Opfer an, das war falsch. Das Wikingerschiffsmuseum Roskilde beschreibt es genau: Um 1060 bis 1070 wurden drei alte, abgenutzte Schiffe an die schmalste Stelle des Roskilde Fjords gezogen, mit Steinen gefüllt und in der Fahrrinne Peberrenden versenkt. Später kamen zwei weitere dazu. Vorher hatte man alle losen Teile wie Mast, Ruder und Segel entfernt. Ein Geschenk an die Götter wäre wohl anders ausgefallen. Die Schiffe wurden von 1957 bis 1962 geborgen und stehen heute im Museum.

Gab es Opfer im Wasser schon vor den Wikingern?

Ja, und zwar in großem Stil. Die Wikinger griffen eine alte Sitte wieder auf, das zeigen diese drei Fälle:

  • Illerup Ådal (Jütland): Über 15.000 Gegenstände, meist Waffen und Ausrüstung von etwa 200 bis 500 nach Christus, gelten als Beute besiegter Feinde. Der Ort ist einer von rund 25 solcher Plätze in Dänemark und Südschweden.
  • Nerthus: Der Römer Tacitus erzählt in der Germania, dass Sklaven den Wagen der Göttin in einem abgelegenen See waschen und danach darin ertränkt werden. Das ist ein römischer Bericht, lange vor den Wikingern.
  • Uppsala: Adam von Bremen schreibt im 11. Jahrhundert von einer Quelle beim Tempel, in die ein lebender Mensch geworfen wird. Kommt er nicht wieder hoch, gilt der Wunsch des Volkes als erfüllt. Adam schrieb als Geistlicher der Kirche von Hamburg und Bremen über Heiden, das solltest du mitlesen. Passend dazu nennt Lund Waffen aus dem nahen Fluss Fyris.

Zwischen diesen Beispielen liegen Jahrhunderte, eine durchgehende Linie lässt sich daraus nicht ziehen.

Welche Götter gehören zu Meer und Wasser?

Vor allem Njörd, außerdem Rán und Ägir. Laut Snorri lenkt Njörd den Wind und beruhigt Meer und Feuer, und man soll ihn für Seefahrt und Fischfang anrufen (Gylfaginning 23). Rán ist die Frau des Meeresriesen Ägir und fängt Seefahrer mit ihrem Netz. Unser alter Text behauptete, sie töte nur, wer sie verärgere, und Ägir sei freundlich zu Seeleuten. Das fanden wir so nicht.

Einen schönen Hinweis enthält die Friðþjófs saga, eine legendenhafte Saga aus der Zeit um 1300. Im Sturm sagt Frithjof, nun gehe es wohl zu Rán, und jeder solle Gold bei sich tragen. Er zerhackt dazu einen Ring und verteilt die Stücke, in seiner Strophe heißt es sinngemäß, Gold solle man an den Gästen sehen, wenn sie eine Unterkunft brauchen. Das ist Gold für einen Besuch bei Rán und kein Opfer im See. Es zeigt aber, dass Gold und Wassertod im Denken dieser Geschichten zusammengehörten. Auf die Seen selbst bezieht es keine Quelle, die wir gelesen haben.

Wie wichtig Schiffe auch im Tod waren, zeigen Schiffsgräber und Steinschiffe, also Gräber in Schiffsform. Die Steinschiffe sind allerdings viel älter als die Wikinger, sie kommen von etwa 1000 vor bis 1000 nach Christus vor. Dass sie eine billige Lösung für Arme waren, wie wir früher schrieben, haben wir nicht belegt gefunden. Mehr über diese Boote liest du unter Wikingerschiff.

Opfer in Seen: Was stimmt wirklich?

Behauptung Stimmt das?
Wikinger legten Wertsachen ins Wasser Ja, viele Funde sprechen dafür. Die Forschung deutet sie meist als Rituale.
Wir kennen ihre Gründe Nein. Es gibt keinen Bericht von ihnen selbst, nur Deutungen.
Es sollte Grabräuber abhalten Dafür haben wir keinen Beleg gefunden.
Der Tissø war sicher Tyr geweiht Unsicher. Der Name kann auch einfach „Gott“ meinen.
Die Skuldelev-Schiffe waren Opfer Falsch. Sie wurden als Sperre im Fjord versenkt.
Die Sitte begann bei den Wikingern Falsch. Illerup Ådal zeigt sie schon für die Zeit um 200 bis 500.

Welcher Schmuck passt zu diesem Thema?

Am ehesten Motive, die wirklich im Text auftauchen: ein Schiff und die Axt, wie sie im Näsbyholm Sjö lag. Beide sind moderne Schmuckstücke ohne Bezug zu einem konkreten Fund.

Braunes Armband in Lederoptik mit einer Metallplatte, auf der ein Schiffsmotiv zu sehen ist

Wikinger-Armreif mit Wikingerschiff

Für die Fahrten, mit denen Lund die Funde verbindet.

Armreif ansehen →
Silberfarbener Axt-Anhänger an einer Kette, auf einem Stein liegend

Wikinger-Halskette mit Axt-Anhänger

Die Axt zählt zu den Waffen aus schwedischen Seefunden.

Kette ansehen →

Weitere Stücke findest du unter Wikinger Armbänder und Wikinger Schmuck.

Häufige Fragen zu Opfern in Seen

Warum opferten die Wikinger im Wasser?

Das wissen wir nicht sicher, denn von ihnen selbst gibt es keine Erklärung. Forscher verbinden es mit Seefahrt und Auslandsfahrten, mit der Vorstellung von Totenflüssen und mit besonderen Waffen.

Was wurde in den Seen gefunden?

Vor allem Waffen und Schmuck, dazu Werkzeuge, Schlüssel, Wetzsteine und Münzen. Die meisten Fundstellen haben nur ein bis drei Objekte, der Tissø rund 50.

Was ist der Tissø?

Der Tissø ist ein großer See auf Seeland in Dänemark. Dort fand man Opfergaben, einen goldenen Halsring aus dem 10. Jahrhundert und einen großen Herrensitz bei Kalmargården.

War der Tissø dem Gott Tyr geweiht?

Das ist unsicher. Der Name kann Tyrs See bedeuten, aber auch einfach See des Gottes oder Tyrs Insel. Sicher ist die religiöse Bedeutung des Ortes.

Warum wurden die Skuldelev-Schiffe versenkt?

Als Sperre in der Fahrrinne des Roskilde Fjords, um Roskilde zu schützen oder den Verkehr zu kontrollieren. Ein Opfer waren sie nicht, das sagt auch das Wikingerschiffsmuseum.

Haben die Wikinger auch Menschen im Wasser geopfert?

Adam von Bremen berichtet das im 11. Jahrhundert für Uppsala, aus christlicher Sicht. Für die Seefunde der Wikingerzeit haben wir dafür keinen Beleg gelesen.

Quellen und weiterführende Links

Weiterlesen: Bestattungsriten der Wikinger · Wikingertempel · Wer ist Njörd?

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.

Passender Wikinger Schmuck zu diesem Artikel

  • Axt Ring Herren, Siegelring mit gekreuzten Äxten, Edelstahl

    Axt Ring Herren – Siegelring mit gekreuzten Äxten, Edelstahl

    Normaler Preis 34,90€
    Verkaufspreis 34,90€ Normaler Preis
Alle Wikinger Schmuckstücke ansehen