Was ist der Ursprung des Wikingerfestes Yule?
Das Wichtigste in Kürze
- Yule (altnordisch jól, deutsch Julfest) ist ein altes germanisches Winterfest. Ein Monatsname dazu ist schon um 350 in einem gotischen Kalender bezeugt.
- Der Ursprung des Wortes ist ungeklärt. Die beliebte Herleitung vom „Rad“ lehnt die Forschung weitgehend ab.
- Der genaue Termin ist umstritten. Laut Snorri begann das Fest in der Mittwinternacht und dauerte drei Tage, König Hakon verlegte es auf Weihnachten.
- Sicher belegt sind Opfer, Festmahl, Trinkrituale und Schwüre. Yule-Baum und Yule-Scheit der Wikinger sind es nicht.
- Heute heißt Weihnachten in Skandinavien jul oder jól, und moderne Heiden feiern Yule wieder.
Was ist der Ursprung des Julfests? Yule war ein vorchristliches Winterfest germanischer Völker, das bei den Wikingern jól hieß und später mit Weihnachten verschmolz. Wie alt es genau ist und was das Wort bedeutet, weiß niemand sicher. Viele Weihnachtsseiten erzählen dazu Geschichten von Runen im Tannenbaum und Thor im Schornstein. Dafür haben wir keine Quelle aus der Wikingerzeit gefunden. Hier liest du, was die alten Texte wirklich sagen.
Inhalt: Das Wort · Ursprung · Termin · Die Feier · Jólablót · Hakon · Baum und Scheit · Julbock · Faktencheck · Heute · Schmuck · Häufige Fragen
Was bedeutet das Wort Yule?

Was Yule ursprünglich bedeutete, ist nicht geklärt. Das englische Wort geht auf altenglisch ġēol zurück und ist mit altnordisch jól sowie gotisch jiuleis verwandt. Alle führen auf eine urgermanische Wurzel zurück, deren Herkunft offen bleibt.
Zwei Deutungen liest du immer wieder:
- „Rad“: Jacob Grimm und andere verbanden Yule mit dem Rad, also dem Lauf der Sonne. Diese Idee ist verbreitet, aber weitgehend verworfen, denn das Wort für Rad klingt im Altenglischen anders (hweol). In dieser Form stand sie früher auch hier.
- „Fest und Freude“: Plausibler erscheint heute manchen die Verbindung zu lateinisch jocus, dem Ursprung von englisch joke, im Sinne einer Zeit der Unterhaltung.
Auch die Herkunft von französisch joli und englisch jolly aus jól ist umstritten, das Oxford English Dictionary hält sie für unwahrscheinlich. Die Sache mit Odin dagegen lässt sich gut belegen: Einer seiner Namen ist Jólnir, „Yule-Mann“, und in der Dichtung heißen die Götter jólnar. Mehr dazu findest du im Artikel Wer ist Odin?
Woher kommt das Yule-Fest?
Yule kommt aus dem germanischen Raum und ist viel weiter verbreitet als nur bei den Wikingern. Der älteste Beleg ist ein gotischer Kalender aus der Zeit um 350 mit dem Monatsnamen fruma jiuleis, „der Monat vor dem Yule-Monat“. Um 726 schreibt der englische Gelehrte Beda, die heidnischen Angelsachsen hätten Dezember und Januar zusammen Giuli genannt und ihr Jahr mit der „Nacht der Mütter“ begonnen.
Ob Yule auch auf eine mehrere Jahrtausende alte Wurzel zurückgeht, wie früher hier stand, lässt sich nicht beweisen. Der Abstand zwischen den Fundorten spricht dafür, dass die Kalender mit den Yule-Monaten deutlich älter sind als ihre ersten Belege. Die Wikinger sind also eher späte Vertreter eines älteren Brauchs. Eine Übersicht weiterer Feiertage findest du unter Wikinger Feste.
Wann feierten die Wikinger Yule?
Sie feierten mitten im Winter, doch das genaue Datum ist bis heute umstritten. Der feste Termin 21. Dezember, den viele Seiten und auch unser früherer Text nennen, ist nicht aus der Wikingerzeit belegt. Das sind die wichtigsten Anhaltspunkte:
| Quelle | Was sie sagt | Einschränkung |
|---|---|---|
| Prokop, 6. Jahrhundert | Das größte Fest der Menschen in „Thule“ liegt 20 Tage nach der Wintersonnenwende | Unklar, ob wirklich Yule oder überhaupt Germanen gemeint sind |
| Beda, um 726 | Zwei Yule-Monate um die Sonnenwende, Jahresbeginn am 25. Dezember | Betrifft die Angelsachsen, nicht den Norden |
| Heimskringla, Hakons Saga | Beginn in der Mittwinternacht (hǫkunótt), dann drei Tage | Rund 280 Jahre nach Hakon geschrieben |
| Andreas Nordberg, moderne Forschung | Vollmond des Mondmonats nach der Sonnenwende, also etwa 5. Januar bis 2. Februar | Eine Deutung, in der Fachwelt teils zustimmend aufgenommen |
Die englische Übersetzung von Laing setzt für die Mittwinternacht den 14. Dezember in Klammern, Nordberg rechnet dagegen mit etwa dem 19. bis 21. Januar. Gerade deshalb lohnt ein Blick auf den Zeitraum und nicht auf einen einzelnen Tag. Auch die „zwölf Tage“ haben wir aus unserem Text entfernt: Snorri nennt drei.
Wie feierten die Wikinger Yule?

Im Mittelpunkt standen gemeinsames Essen, Trinken und feierliche Schwüre. Diese Elemente lassen sich aus den Texten fassen:
- Trinken: Schon das Gedicht Haraldskvæði um 900 sagt von Harald Schönhaar, er „trinke Yule“. Trinken und Feiern waren also fast dasselbe. Mehr zum Getränk liest du unter Haben die Wikinger Bier getrunken?
- Festmahl: Jólaveizlur, Yule-Feste, kommen in vielen Sagas vor. Passend dazu nennen Dichter die Schlacht „Yule des Raben“.
- Schwüre: In der Hervarar saga legen die Männer am Vorabend die Hände auf einen Eber, den sonargöltr, und legen feierliche Gelübde ab. Manche Handschriften nennen ihn heilig und dem Gott Freyr geweiht. Zu Freyrs goldenem Eber passt unser Artikel über Gullinbursti.
- Spiele: Sagas erwähnen Ringen, Ballspiele und Tauziehen zur Yule-Zeit.
- Geschenke: Das Wort jólagjǫf, „Yule-Gabe“, ist belegt. In der Heimskringla verteilt König Olaf an Yule Geschenke. Wie viel davon heidnisch war, wissen wir nicht.
Auch die Gefahr gehörte dazu. In vielen Geschichten suchen in dieser Zeit Trolle und Untote die Höfe auf, in der Grettis saga etwa der tote Hirte Glam. Einen Thor, der durch den Schornstein steigt, haben wir in den gelesenen Texten nirgends gefunden.
Was war der Jólablót?

Der Jólablót war ein Opferfest zur Yule-Zeit, bei dem Tiere geschlachtet und gemeinsam gegessen wurden. Die ausführlichste Beschreibung eines solchen Opfers steht in der Hakons Saga des Guten, Kapitel 16 (Nummerierung nach der Übersetzung von Laing). Snorri schildert dort ein Opferfest allgemein, nicht ausdrücklich zu Yule, und schrieb rund 280 Jahre nach Hakons Zeit:
- Alle Bauern brachten mit, was sie für die Dauer des Festes brauchten, auch Bier.
- Vieh aller Art und auch Pferde wurden geschlachtet. Das Blut, hlaut, kam in eigene Gefäße.
- Mit Zweigen wie mit Sprengpinseln bespritzte man die Altäre, die Tempelwände und die Teilnehmer.
- Das Fleisch kochte man in Kesseln über dem Feuer in der Mitte des Raumes.
- Der Gastgeber segnete die Becher. Zuerst leerte man den Becher Odins für Sieg und Macht, dann den von Njörd und Freyja für Frieden und ein gutes Jahr, zuletzt einen für die Toten.
Eine Völva, wie sie unser früherer Text an dieser Stelle nannte, kommt im Text von Snorri nicht vor. Dort segnet der Häuptling, und Sigurd Jarl bezahlt das Fest. Blut an den Wänden klingt grausam, war aber zugleich der Rahmen für ein großes Essen. Auch die Bezeichnung „schamanistisch“ haben wir gestrichen, die Quelle nennt sie nicht.
Wie wurde aus Yule Weihnachten?
Yule wurde Weihnachten, als christliche Könige Termin und Brauch umdeuteten. Der wichtigste Beleg ist erneut die Hakons Saga, Kapitel 15 nach Laing: König Hakon der Gute legte per Gesetz fest, dass Yule zur selben Zeit wie das christliche Fest beginnen sollte. Jeder Mann musste bei Strafe Bier brauen und das Fest halten, so lange es reichte.
Ähnlich verfährt ein altes norwegisches Gesetz, das Gulathing-Recht: Es bestraft falsches Brauen zu Yule und verlangt, das Bier Christus und Maria zu weihen til árs ok friðar, für ein gutes Jahr und Frieden. Diese Formel stammt vermutlich aus heidnischer Zeit. Das Fest blieb also, nur die Empfänger wechselten.
Gab es Yule-Baum und Yule-Scheit bei den Wikingern?

Für beides fehlen Belege aus der Wikingerzeit. Der geschmückte Baum, wie du ihn kennst, entstand laut der Forschung in der frühen Neuzeit in Norddeutschland und Livland, zuerst etwa in Zunfthäusern und nach der Reformation in protestantischen Familien. Runen, die Wikinger angeblich in den Stamm ritzten, haben wir in keiner Quelle gefunden.
Beim Scheit ist es ähnlich: Die erste englische Erwähnung steht 1648 bei Robert Herrick, das Wort yule log ist erst 1725 belegt. Eine deutsche Handschrift von 1184 kennt immerhin schon einen Baum für ein Weihnachtsfeuer. Dass all dies aus heidnischer Zeit stammt, ist möglich, bewiesen aber nicht.
Woher kommt der Julbock?

Der Julbock ist ein skandinavischer Brauch, dessen Ursprung unklar bleibt. Die oft genannte Theorie verbindet ihn mit den beiden Böcken Tanngrisnir und Tanngnjóstr, die laut Mythos Thors Wagen ziehen. Erste schriftliche Erwähnungen stammen erst aus dem 16. Jahrhundert: Der Theologe Peder Palladius schreibt, der Julbock sei zusammen mit nächtlichen Trinkgelagen verboten worden.
Junge Männer in Verkleidung, die von Haus zu Haus zogen, sangen und Streiche spielten, sind erst aus dem 17. Jahrhundert bekannt. Das für die Wikingerzeit zu behaupten, wie früher hier, geht zu weit. Am bekanntesten ist heute der riesige Gävle-Bock in Schweden, seit 1966 jedes Jahr aufgestellt und schon sehr oft abgebrannt.
Saga, Weihnachtsseite oder Internet: Was stimmt über Yule?
| Behauptung | Stimmt das? |
|---|---|
| Yule begann am 21. Dezember | Nicht belegt. Hakons Saga nennt die Mittwinternacht, deren Datum umstritten ist. |
| Yule dauerte zwölf Tage | Nicht für die heidnische Zeit. Snorri spricht von drei Tagen, nach Hakons Gesetz so lange das Bier reichte. |
| Yule bedeutet Rad | Diese Herleitung lehnt die Forschung weitgehend ab. |
| Der Weihnachtsbaum stammt von den Wikingern | Kein Beleg. Er ist erst für die frühe Neuzeit bezeugt. |
| Der Weihnachtsmann ist eigentlich Thor | Dafür haben wir keine alte Quelle gefunden. |
| Weihnachten heißt im Norden noch immer jul | Ja. Auf Dänisch, Schwedisch und Norwegisch jul, auf Isländisch jól, auf Finnisch joulu. |
Wird das Julfest heute noch gefeiert?

Ja, und zwar auf zwei Arten. Im Norden trägt Weihnachten weiterhin den alten Namen, inhaltlich ist das Fest aber christlich geprägt. Daneben feiern Anhänger neuheidnischer Gruppen wie Asatru Yule als eigenes Fest. Dabei greifen sie auf Bräuche zurück, die Volkskundler für vorchristlich halten. Das ist eine moderne Neuschöpfung auf alter Grundlage, keine ununterbrochene Tradition.
Welcher Schmuck passt zum Julfest?
Am besten passen die Motive, die wir eben aus den Quellen kennengelernt haben, also Thors Böcke und Freyrs Eber. Das ist unsere moderne Zuordnung und kein alter Festbrauch.

Wikinger-Lederarmband mit Mjölnir und Ziegen
Thors Hammer und seine Böcke, die oft mit dem Julbock verbunden werden.
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Der Eber Freyrs, passend zu den Schwüren am Yule-Abend.
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Häufige Fragen zum Julfest der Wikinger
Was ist der Ursprung des Julfests?
Das Julfest ist ein vorchristliches Winterfest germanischer Völker. Ein Yule-Monat ist schon um 350 in einem gotischen Kalender bezeugt, wie alt das Fest genau ist, lässt sich nicht sagen.
Was bedeutet Yule?
Das ist nicht geklärt. Die Herleitung von Rad wird weitgehend abgelehnt, manche Forscher vermuten eine Verbindung zu lateinisch jocus, also Fest und Vergnügen.
Wann feierten die Wikinger Yule?
Mitten im Winter. Laut Snorri begann das Fest in der Mittwinternacht und dauerte drei Tage. Das genaue Datum ist umstritten, manche Forscher rechnen mit Januar.
Welchen Göttern galt Yule?
Die Texte nennen beim Opferfest Odin für Sieg und Macht sowie Njörd und Freyja für Frieden und ein gutes Jahr. Odin trägt zudem den Beinamen Jólnir.
Haben die Wikinger einen Weihnachtsbaum aufgestellt?
Dafür gibt es keinen Beleg aus der Wikingerzeit. Der geschmückte Baum ist erst für die frühe Neuzeit in Norddeutschland und Livland bezeugt.
Wird Yule heute noch gefeiert?
Ja. In Skandinavien heißt Weihnachten noch immer jul, und neuheidnische Gruppen wie Asatru feiern Yule als eigenes Fest. Das ist eine moderne Neubelebung.
Quellen und weiterführende Links
- Snorri Sturluson: Heimskringla, englische Übersetzung von Samuel Laing, Project Gutenberg (Hakons Saga, Kapitel 15 und 16)
- Yule, englische Wikipedia (mit Beda, Prokop, Nordberg)
- Julfest, deutsche Wikipedia
- Sonargöltr, englische Wikipedia
- Yule goat, englische Wikipedia
- Gävle Goat, englische Wikipedia
- Christmas tree, englische Wikipedia
- Yule log, englische Wikipedia
Weiterlesen: Wikinger Feste · Gullinbursti · Der Streitwagen des Gottes Thor














