Sleipnir: achtbeiniges graues Pferd galoppiert über den Wolken

Sleipnir: Odins achtbeiniges Pferd und seine Geschichte

Das Wichtigste in Kürze

  • Sleipnir ist das achtbeinige Pferd von Odin und laut Edda das beste aller Pferde.
  • Seine Mutter ist Loki, der als Stute den Hengst Svadilfari fortlockte, sein Vater dieser Hengst.
  • Der Name bedeutet wohl „der Gleitende“.
  • Er trägt Odin und Hermod ins Totenreich und setzt über dessen Tor.
  • Der Reiter auf dem achtbeinigen Pferd der Bildsteine von Gotland wird oft mit ihm verbunden, belegt ist das aber nicht.

Sleipnir ist in der nordischen Mythologie das graue, achtbeinige Pferd des Gottes Odin und nach Snorri das beste Pferd unter Göttern und Menschen. Seine Herkunft ist eine der absurdesten Geschichten der Edda: Der Gott Loki bringt ihn als Stute zur Welt, weil er einen Baumeister ausbremsen musste. Du erfährst hier, was wirklich in den Texten steht, was auf den Bildsteinen zu sehen ist und welche Erklärungen es für die acht Beine gibt.

Inhalt: Was ist Sleipnir? · Wie wurde er geboren? · Warum acht Beine? · Wer ritt ihn? · Das Wettrennen · Weitere Spuren · Die Bildsteine · Faktencheck · Sleipnir heute · FAQ

Was ist Sleipnir?

Sleipnir ist Odins Pferd mit acht Beinen und für die Edda schlicht der Beste seiner Art. Das sagt Grímnismál 44 in einer berühmten Rangliste: Yggdrasil ist der beste Baum, Odin der beste der Asen, Sleipnir das beste Pferd. In Gylfaginning 15 steht er an erster Stelle der Asenpferde, mit dem Zusatz, dass er acht Füße hat.

Odin reitet auf einem weißen, achtbeinigen Pferd über stürmisches Meer
Odin auf Sleipnir, freie KI-Illustration.
Steckbrief
Name Sleipnir, wohl „der Gleitende“
Besitzer Odin
Eltern Hengst Svadilfari und Loki als Stute
Farbe grau (Gylfaginning 42)
Besonderheit acht Beine, reitet durch Luft und über das Meer
Nachkomme Grani, das Pferd des Sigurd
Bekannte Ritte nach Hel mit Odin und mit Hermod, Rennen gegen Hrungnir

Die Zahl der Beine steht also fest, die Geschwindigkeit eher nicht: Dass Sleipnir das schnellste Pferd sei, liest du oft, die Edda nennt ihn aber vor allem das beste.

Wie wurde Sleipnir geboren?

Sleipnir wurde geboren, weil Loki sich in eine Stute verwandelte, um das Pferd eines Baumeisters von der Arbeit abzuhalten. Die ganze Geschichte steht in Gylfaginning 42, und sie handelt von einem Vertragsbruch der Götter.

Baumeister und Götter vor einer großen Mauer, darüber Sonne und Mond, vorn Freyja und ein Pferd mit Fohlen
Der Baumeister und sein Lohn, freie KI-Illustration.
  • Das Angebot: Ein namenloser Schmied bietet an, den Göttern in drei Jahreszeiten eine sichere Burg gegen die Riesen zu bauen. Als Lohn will er Freyja, die Sonne und den Mond.
  • Die Falle: Die Götter verkürzen die Frist auf einen einzigen Winter und verbieten fremde Hilfe. Nur auf Lokis Rat hin darf er sein Pferd Svadilfari einsetzen.
  • Das Problem: Das Pferd schleppt nachts riesige Felsen und leistet doppelt so viel wie sein Herr. Drei Tage vor Sommerbeginn ist fast alles fertig.
  • Die Drohung: Die Götter fragen, wer das eingefädelt hat, und drohen Loki mit einem bösen Tod.
  • Die Stute: Abends springt aus dem Wald eine Stute und wiehert. Svadilfari reißt sich los, und beide rennen die ganze Nacht.
  • Das Ende: Der Schmied gerät in Riesenwut. Damit ist klar, dass er ein Bergriese ist. Sofort rufen die Götter Thor, und der zerschmettert ihm mit Mjöllnir den Schädel.

Etwas später bringt Loki ein graues Fohlen mit acht Beinen zur Welt. Snorri erzählt das knapp und ohne Spott. Bemerkenswert ist der Schluss des Kapitels: Er zitiert die Völuspá, wo die Götter ihre Eide brechen. Die Geburt des besten Pferdes ist also auch die Geschichte eines Betrugs. Auch die Völuspá hin skamma im Lied Hyndluljóð nennt Sleipnir als Lokis Kind von Svadilfari.

Warum hat Sleipnir acht Beine?

Warum Sleipnir acht Beine hat, sagt keine Quelle, und die Forschung bietet dafür mehrere Erklärungen an. Drei begegnen dir am häufigsten:

Deutung Idee Wer sie vertritt
Geschwindigkeit Viele Beine stehen für großes Tempo bei John Lindow genannt
Schamanismus Das achtbeinige Tier gilt als Reittier auf Reisen in andere Welten, Mircea Eliade kennt ein achtbeiniges Fohlen aus einer Erzählung der Burjaten Hilda Ellis Davidson
Totenbahre Vier Träger tragen einen Toten: zusammen acht Beine, also „reitet“ er dahin Hilda Ellis Davidson

Ein Mythos des 13. Jahrhunderts muss solche Deutungen nicht bestätigen, aber die dritte passt erstaunlich gut zu Sleipnirs Weg nach Hel.

Wer ritt Sleipnir?

Sleipnir wurde vor allem von Odin geritten, und einmal lieh ihn sich Hermod für den Weg ins Totenreich. In Baldurs Geschichte kommt er gleich zweimal vor:

Ein Reiter auf dem dunklen achtbeinigen Pferd springt über Klippen zu einer düsteren Halle
Der Ritt nach Hel, freie KI-Illustration.
  • Odin: In Baldrs draumar 2 sattelt Odin ihn wegen Baldurs böser Träume und reitet hinab nach Niflhel.
  • Hermod: Nach Baldurs Tod reitet Hermod laut Gylfaginning 49 neun Nächte durch tiefe Täler bis zur Brücke Gjallarbrú. Die Wächterin wundert sich, wie laut die Brücke unter einem einzigen Reiter dröhnt. Am Tor von Hel zieht er den Sattelgurt fest, gibt dem Pferd die Sporen und springt mit großem Abstand darüber.

Wegen dieser Ritte gilt Sleipnir in der Forschung oft als Pferd der Totenwelt. John Lindow weist auf die Húsdrápa des Úlfr Uggason hin, wo „Meer-Sleipnir“ als Umschreibung für ein Schiff in einem Gedicht über Baldurs Bestattung erscheint.

Wikinger-Halskette mit Sleipnir und Triskele

Wikinger-Halskette mit Sleipnir und Triskele

Odins Pferd direkt als Anhänger.

Kette ansehen →

Wie endete das Rennen gegen Hrungnir?

Das Rennen endete damit, dass der Riese Hrungnir vor lauter Wut Odin bis nach Asgard verfolgte. Laut Skáldskaparmál 17 reitet Odin auf Sleipnir nach Jötunheim. Hrungnir staunt über den Mann mit dem Goldhelm, „der durch Luft und über das Meer reitet“. Odin wettet seinen Kopf darauf, dass in Jötunheim kein so gutes Pferd zu finden sei, und Hrungnir meint, sein Pferd Gullfaxi („Goldmähne“) greife noch viel weiter aus.

Odin bleibt immer eine Hügelkuppe voraus, und der wütende Riese merkt erst etwas, als er schon hinter dem Tor der Asen steht. Die Götter laden ihn zum Trinken ein. Das Ende ist wenig gastlich: Der Betrunkene prahlt, er werde Walhalla mitnehmen, und bezahlt dafür später im Duell mit Thor. Diese Stelle belegt übrigens auch, was du oft liest: Sleipnir läuft durch die Luft und über das Meer. Mehr dazu unter Was ist Walhalla?

Wo taucht Sleipnir sonst noch auf?

Sleipnir taucht auch in Rätseln, Runensprüchen und bei Saxo Grammaticus auf, was zeigt, wie bekannt er war:

  • Ein Rätsel: In der Hervarar saga fragt Gestumblindi nach zweien, die auf zehn Füßen laufen, drei Augen und einen Schwanz haben. Die Lösung lautet: Odin auf Sleipnir. Rechne nach, es passt, denn Odin hat nur ein Auge.
  • Runen: Im Lied Sigrdrífumál 15 sollen Runen unter anderem auf Sleipnirs Zähne geritzt sein.
  • Grani: Laut Völsunga saga 13 hilft ein alter Mann, der sich als Odin entpuppt, dem jungen Sigurd bei der Wahl eines Pferdes aus der Sippe Sleipnirs. Das wird Grani.
  • Saxo Grammaticus: Im Buch 1 nimmt ein alter Einäugiger den jungen Hadingus auf sein Pferd, das über das Meer läuft. Viele sehen darin Odin auf Sleipnir, obwohl der Name nicht fällt.

Ist Sleipnir auf Bildsteinen zu sehen?

Wahrscheinlich ja: Die Bildsteine von Tjängvide und Ardre VIII auf Gotland zeigen ein achtbeiniges Pferd, das gewöhnlich als Sleipnir gedeutet wird. Der Bildstein von Tjängvide wurde 1844 entdeckt, stammt aus der Zeit um 700 bis 900 und steht heute im Historischen Museum in Stockholm. Eine Frau reicht dem kleinen Reiter ein Trinkhorn.

Ein Reiter auf einem achtbeinigen Pferd vor einer dunklen Burg
Reiter auf acht Beinen, frei nach den Bildsteinen, freie KI-Illustration.

Wer da reitet, ist umstritten. Die häufigsten Deutungen: Odin selbst, ein Toter auf dem Weg nach Walhalla, den eine Walküre empfängt, oder sogar Sigurd auf Grani. Eine Lesart hält den Bildinhalt sogar für einen Lebenden, dem die acht Beine nur Tempo verleihen. Der Stein gibt also keine Gewissheit.

Das hat auch mit einer weiteren oft gelesenen These zu tun. Sleipnir sei ein Psychopomp, ein Seelenführer, und deshalb lägen Pferde in Kriegergräbern. Das Grab Bj 581 aus Birka enthielt tatsächlich zwei Pferde. Einen belegten Zusammenhang mit Sleipnir stellt aber kein Text her. Eine Illustration von Sleipnir aus dem 18. Jahrhundert gibt es in einer isländischen Handschrift, das ist aber weit jünger als die Mythen.

Was stimmt über Sleipnir und was nicht?

Behauptung Stimmt das?
Sleipnir ist Lokis Kind Ja. Gylfaginning 42 und Hyndluljóð.
Er hat zwei Väter Irreführend. Loki trägt ihn als Stute aus.
Odin ritt ihn in den letzten Kampf gegen Fenrir Odin reitet voran, doch Sleipnirs Name fällt in Gylfaginning 51 nicht. Der Wolf verschlingt dort nur Odin.
Nur Sleipnir konnte über das Tor von Hel springen So sagt es der Text nicht, die Szene zeigt nur, dass er es schafft.
Sleipnir ist auf dem Stein von Tjängvide sicher dargestellt Oft so gedeutet, aber nicht gesichert.
Der Baumeister verlor, weil Loki ihn betrog Teilweise. Zuerst hatten die Götter ihm die Frist diktiert, und dann brachen sie ihre Eide.

Wo begegnet dir Sleipnir heute?

Heute begegnet dir Sleipnir auf Island, in Oslo und überall dort, wo Schiffe seinen Namen tragen. Die hufeisenförmige Schlucht Ásbyrgi im Norden Islands soll laut Volksglauben von seinem Huf stammen. Am Rathaus von Oslo zeigt ein Holzrelief von Dagfin Werenskiold Odin på Sleipnir, und im englischen Wednesbury, einem nach Woden benannten Ort, steht seit 1998 eine Statue. Rudyard Kipling benannte 1888 ein Pferd in seiner Kurzgeschichte „Sleipner, late Thurinda“ nach ihm.

Odin und seine Tiere findest du als Motiv auch in unserer Kollektion Wikinger Ringe:

Wikinger-Ring mit Odin, Raben und Valknut

Wikinger-Ring mit Odin, Raben und Valknut

Der Reiter von Sleipnir als Ring.

Ring ansehen →

Häufige Fragen zu Sleipnir

Was ist Sleipnir?

Sleipnir ist das graue, achtbeinige Pferd des Gottes Odin in der nordischen Mythologie. Die Edda nennt ihn das beste aller Pferde.

Warum hat Sleipnir acht Beine?

Die Quellen nennen keinen Grund. Forscher deuten die Beine als Bild für Tempo, als Reittier eines Schamanen oder als Totenbahre mit vier Trägern.

Wer sind die Eltern von Sleipnir?

Sleipnirs Vater ist der Hengst Svadilfari. Seine Mutter ist Loki, der sich in eine Stute verwandelt hatte, um Svadilfari von der Arbeit am Burgbau abzuhalten.

Was bedeutet der Name Sleipnir?

Der Name bedeutet wohl der Gleitende, wörtlich etwas wie der Schlüpfrige. Er passt zu einem Pferd, das durch Luft und über das Meer reitet.

Wer außer Odin ritt Sleipnir?

In der Prosa-Edda leiht sich Hermod das Pferd und reitet neun Nächte nach Hel, um Baldur auszulösen. Er springt dabei über das Tor des Totenreichs.

Hatte Sleipnir Nachkommen?

Ja. Laut Völsunga saga stammt Grani, das Pferd des Helden Sigurd, aus der Sippe Sleipnirs. Odin selbst berät Sigurd bei der Wahl.

Quellen und weiterführende Literatur

Weiterlesen: Wer ist Odin? · Wer ist Loki? · Wer ist Baldur?

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.

Passender Wikinger Schmuck zu diesem Artikel

  • Wikinger Ring Herren mit Odin Symbol

    Odin Ring Herren – Rabenschädel mit Vegvisir und Valknut

    Normaler Preis 34,90€
    Verkaufspreis 34,90€ Normaler Preis
  • Wikinger Bartschmuck mit Gott Odin

    Bartperle Odin – Wikinger Bartschmuck, silber- oder bronzefarben

    Normaler Preis 19,90€
    Verkaufspreis 19,90€ Normaler Preis
Alle Wikinger Schmuckstücke ansehen